From Hohendorf to Joinville

 

Die folgende Kurzgeschichte konnte geschrieben werden aufgrund von Daten die durch Herrn Olavo Raul Quandt  ( Brasilien ) zur Verfügung gestellt wurden und  soll einen kleinen Einblick in die damalige Emigrationssituation geben.  Sie zeigt welche Strapazen viele Menschen damals auf sich genommen haben um ein besseres Leben für sich und ihre Familien zu finden.

Diese Geschichte handelt von der Auswanderung der Familie Mähl;  Johann Ludwig, seine Ehefrau Caroline Sophie und den Töchtern Louise und Hermine, sowie Ludwigs Mutter Caroline Mähl, die alle aus Hohendorf, Vorpommern stammten.

Die Auswanderung erfolgte damals mit dem Segelschiff „Trident“. Die strapaziöse Auswanderung begann am 22.06.1857 und endete mit Ankunft in Sao Franzisco, Santa Catarina, Brasilien am 01.09.1857. Wir können uns heute kaum vorstellen welch ein Mut und Durchhaltevermögen diese kleine Familie gehabt haben muß, um diese 3monatige Reise durchzustehen. Es sollte in ein Land gehen, von dem man sich versprach eine glückliche und zufriedene Zukunft erleben zu können.

Am 15.September 1857 kaufte J.L. Mähl ein 100 Morgen großes Grundstück in Estrada Botuca, Anaburgo, Joinville, Santa Catarina, Brasilien. Der damalige Preis betrug 400 Mil Reis, etwa 3000 Euro.

Auf diesem Grundstück lebte J.L. Mähl mit seiner Familie von 1857 bis 1873. Er wanderte dann mit seiner Familie nach Rio Negro, Parana, ein 150 km im Hochland liegendes Dorf weiter. Diese Reise dauerte 6 Tage auf Pferden und Mauleseln und führte durch unwegsames Gelände und den Urwald. Im Dorf Campo do Gardo, ein kleines Dorf neben Rio Negro kaufte er erneut ein Grundstück.  J.L. Mähl kaufte dort einen Weide- und Rastplatz auf dem die „Tropeiros (die Anführer  und Leiter der damaligen Karawanen) ihre Zwischenstation machen konnten.  Dieses sprach sich bald herum und der Weideplatz der Fam. Mähl wurde ein begehrter Anlaufpunkt für weitere Karawanen.  So konnte die Familie Mähl viele Jahre lang unter anderem von der Bewirtschaftung des Platzes leben.

Auch nach dem Tod von J.L. Mähl am 28.11.1879 bewirtschaftete seine Frau, von allen liebevoll „Dona Carolina Mähl“ genannt das Weideland.  Später entwickelte sich ein regelrechter Familienbetrieb aus dem Anwesen, denn auch die Töchter der Dona Carolina und die nachfolgenden Enkel Lina Stange, Luiz Stange und Arnoldo Mehl halfen tatkräftig mit. 

Als am 31.05.04 Dona Carolina Mähl starb, war dies zugleich auch das Ende der Tropeiros-Ära, denn die neuzeitliche Entwicklung hatte die Erfindung der Eisenbahn mit sich gebracht. So wurden die Weideplätze überflüssig.  Von der Familie Mähl sind bereits 8 Generationen bekannt, die in Brasilien lebten.

 

Olavo Raul Quandt                                       

Joinville / Santa Catarina     Brasil                      

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